Vernissage "Stuttgarter Lieblingsplätze"

„Stuttgarter Lieblingsplätze“: Vernissage macht Unsichtbares sichtbar - ein Kooperationsprojekt mit Trott-war & Teilprojekt des Großprojekts STREETCAMP, gefördert durch die Deutsche Postcode Lotterie

Stuttgart, 26. März 2026 – Eine Parkbank. Ein Platz vor einer Buchhandlung. Ein Ort unter einer Brücke. Für viele Menschen sind es unscheinbare Punkte im Stadtbild – für andere sind sie Rückzugsort, Schutzraum und Erinnerung zugleich. Genau diese Perspektiven standen im Mittelpunkt der Vernissage „Stuttgarter Lieblingsplätze“, die am 26. März in den Räumlichkeiten Trott-wars stattfand.

Zwischen 18 und 20 Uhr öffnete die Ausstellung ihre Türen für zahlreiche Besucherinnen und Besucher. Gezeigt wurden Fotografien und Texte von Menschen mit Straßenerfahrung – von Personen, die aktuell wohnungslos sind oder waren. Die Veranstaltung ist Teil des Kooperationsprojekts „Stuttgarter Lieblingsplätze“ mit Trott-war im Rahmen des Großprojekts „STREETCAMP“, gefördert durch die Deutsche Postcode Lotterie.

Ziel der Vernissage war es, Einblicke in die Lebensrealität wohnungsloser Menschen zu geben, Begegnungen zu ermöglichen und Vorurteile abzubauen. Das Konzept ging auf: Neben geladenen Gästen fanden auch viele spontane Besucherinnen und Besucher den Weg in die Ausstellung, nachdem sie durch Flyer im Umfeld darauf aufmerksam geworden waren.

Begrüßt wurden die Gäste von Daniel Knaus und Adriane Dietrich von Trott-war sowie Christoph Sonntag und Elena Wichert von der Stiphtung Christoph Sonntag. Nach der Eröffnung durch Christoph Sonntag übernahm Daniel Knaus die inhaltliche Führung durch die Ausstellung.

In direktem Austausch entwickelten sich intensive Gespräche. Fragen wie „Soll man wohnungslosen Menschen Essen geben?“, „Warum lassen sich manche Betroffene schwer helfen?“ oder „Wie sieht die Situation wohnungsloser Jugendlicher in Stuttgart aus?“ zeigten das große Interesse und den Wunsch nach ehrlicher Aufklärung.

Daniel Knaus, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit bei Trott-war, konnte durch seine enge Arbeit mit Menschen mit Straßenerfahrung fundierte Einblicke geben. Dabei wurden auch die gesundheitlichen Herausforderungen des Lebens auf der Straße thematisiert: Insbesondere im Winter kann Kälte zu Unterkühlung, psychischen Belastungen wie Depressionen sowie zu einem erhöhten Risiko für Atemwegserkrankungen wie Lungenentzündung führen. Chronische Erkrankungen wie Asthma oder Herzprobleme verschärfen sich zusätzlich, während das Immunsystem insgesamt stark geschwächt wird.

Auch die besondere Situation von Frauen auf der Straße sowie städtische Brennpunkte wie die Kaiserstraße wurden im Dialog eingeordnet und differenziert betrachtet.

Im Zentrum der Ausstellung standen jedoch die Orte selbst – scheinbar leise und oft übersehen. Durch die Perspektiven der porträtierten Menschen erhielten sie eine neue Bedeutung und rückten für einen Abend ins Licht der Öffentlichkeit.

Die Resonanz der Gäste fiel durchweg positiv aus. Viele zeigten sich beeindruckt von der Tiefe der Einblicke und der Gestaltung der Ausstellung und äußerten den Wunsch nach einer Fortführung des Projekts. Auch die Idee, die Motive verstärkt im öffentlichen Raum sichtbar zu machen, wurde vielfach aufgegriffen.

Bereits im Herbst 2025 wurde in Kooperation mit wirmachendruck eine Großplakatkampagne realisiert, um die Inhalte über die Ausstellung hinaus zugänglich zu machen. Auch Postkarten wurden erstellt und an öffentlichen Plätzen der Stuttgarter Innenstadt verteilt.

Mit „Stuttgarter Lieblingsplätze“ ist es gelungen, einen Raum für Begegnung und Perspektivwechsel zu schaffen. Die Fotokampagne soll weitergeführt werden – mit dem Ziel, das Thema Wohnungslosigkeit stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und langfristig einen Dialog auf Augenhöhe zu fördern.