STREETCAMP



Das StreetCamp ist ein Großprojekt im Bereich der Wohnungslosen- und Obdachlosenhilfe.

Durch unsere bisherigen Hilfsaktionen und die enge Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen haben wir erkannt, wo dringender Handlungsbedarf besteht. Daraus entstand das Großprojekt STREETCAMP, das wir dank der Unterstützung der Deutschen Postcode Lotterie in 2025/26 nachhaltig und in großem Rahmen umsetzen dürfen.


PROJEKTZIEL

Unser Projekt verfolgt zwei zentrale Zielrichtungen:

1. Gesellschaftliches Bewusstsein stärken und Vorurteile abbauen:

Wir möchten einen nachhaltigen Beitrag zu einem respektvollen und wertschätzenden Umgang mit wohnungslosen Menschen leisten. In unserer Gesellschaft fehlt es häufig an echten, direkten Begegnungen zwischen Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten. Genau diese Begegnungen fördern wir – auf Augenhöhe, offen und ehrlich. Durch persönliche Gespräche, gemeinsame Erlebnisse und kreative Formate bauen wir Ängste und Vorurteile ab und regen dazu an, die eigene Haltung zu hinterfragen. So entsteht ein tieferes Verständnis für soziale Ausgrenzung, Armut und schwierige Lebenslagen.

2. Teilhabe ermöglichen und konkrete Perspektiven schaffen:

Gleichzeitig möchten wir wohnungs- und obdachlosen Menschen selbst neue Perspektiven eröffnen. Durch niedrigschwellige Mitmachangebote, kulturelle Teilhabe und direkte Hilfestellungen schaffen wir Räume, in denen Würde, Selbstwirksamkeit und Gemeinschaft erlebbar werden. Ob in Form eines festlichen Abends, kreativer Workshops oder öffentlicher Aktionen – unser Ziel ist es, Teilhabe nicht nur zu fordern, sondern konkret erlebbar zu machen.

Beide Ansätze greifen ineinander und zeigen: Nur wenn wir echte Begegnungen ermöglichen, können wir als Gesellschaft zusammenrücken und niemanden zurücklassen.

PROJEKTSTRUKTUR

Das STREETCAMP-Projekt gliedert sich in drei Phasen, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte haben:

Hintergrund

Obdachlose, wohnungslose und armutsbetroffene Menschen sind im Alltag häufig weitgehend von kulturellen Angeboten ausgeschlossen. Der Zugang zu Formaten, die über den Grundbedarf und die Grundsicherung hinausgehen- etwa Feste, Konzerte, Kabarett- oder Theaterabende- setzt in der Regel finanzielle Mittel voraus, über die diese Personengruppe nicht verfügt.

In Baden-Württemberg waren im Jahr 2024 rund 92.700 Menschen wohnungslos. Stand Anfang 2025 lag diese Zahl bei etwa 94.600 Personen (Der Paritätische, 2025). Damit gehört Baden-Württemberg zu den drei Bundesländern mit den höchsten absoluten Zahlen. Bundesweit erreichte die Wohnungslosigkeit 2024 mit über einer Million Betroffener einen Höchststand (BAG Wohnungslosenhilfe, 2024). Diese Entwicklung betrifft auch die Projektstandorte wie Stuttgart, Karlsruhe und Rottweil unmittelbar.

Für Menschen in Wohnungslosigkeit oder prekären Lebenssituationen bestehen mehrere Barrieren, die eine kulturelle Teilhabe verhindern. Erstens fehlen die finanziellen Mittel für Eintrittspreise und Anfahrt. Zweitens sind viele Kulturorte nicht auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe ausgerichtet — es fehlt an niedrigschwelligen Formaten ohne Konsumzwang. Drittens wirken Scham und soziale Isolation als unsichtbare Zugangsbarrieren, da öffentliche Kulturveranstaltungen oft als Räume wahrgenommen werden, in denen Armut sichtbar wird. Wohnungslose Menschen sind in unterschiedlicher Ausprägung sozial isoliert und erfahren Stigmatisierung und Diskriminierung im öffentlichen Raum (Deutsches Institut für Menschenrechte, 2020). Studien zur Lebenslage armutsbetroffener Menschen zeigen, dass Ausgaben für soziale und kulturelle Teilhabe bei einkommensarmen Haushalten deutlich geringer ausfallen als im Bevölkerungsdurchschnitt (Becker, 2015).